Probleme von Kleinunternehmen
50% der Existenzgründer (Klein- und Mikrounternehmen) stellen ihre Tätigkeit binnen 5 Jahren ein. In allen Bereichen der Wirtschaft prägen Kleinunternehmen das Insolvenzgeschehen.
Untersuchungen von Kleinunternehmen zeigen eine Reihe von typischen Problemen. Die chronische Knappheit an kritischen Ressourcen (Zeit, qualifiziertes Personal, finanzielle Mittel und kaufmännisches Wissen) führt zu Entfaltungshemmnissen in strategisch wichtigen Bereichen.
Ob die potentiellen Defizite auf das einzelne Unternehmen zutreffen, ist für jedes Unternehmen differenziert zu analysieren.
Marketing
Innovationen/Produkte
"Innovationen scheitern in Kleinunternehmen an einer systematischen Vorgehensweise und fehlenden Marktdaten."
Standort/Neue Märkte
"Das Unternehmen sieht Potentiale auf überregionalen und internationalen Märkten, kann diese jedoch nicht erschließen." (Univ. Saarbrücken)
Marktbearbeitungsstrategie
"Eine ausgeprägte Marktbearbeitungsstrategie von Kleinunternehmen (z.B. Zielgruppe, benötigte Medien, Kommunikation) existiert nicht. Es wird unzureichend Absatzforschung betrieben." (Univ. Saarbrücken)
Kundenstrukturen
Die fehlende Erschließung neuer Kundenkreise kann zur Abhängigkeit gegenüber einigen wenigen Großkunden führen.
Finanzierung
Beziehung zu Geschäftsbanken
Kleinunternehmen sind am Finanzmarkt gegenüber großen Unternehmen einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt:
a. Die Geschäftsbanken (wichtigste Form der KMU-Fremdfinanzierung) sind bei der Kreditvergabe strikter
als gegenüber Großbetrieben (Zweifel an der Bonität, Risikoeinschätzung des Marktes/der Branche, Geringe Sicherheiten).
b. Bei Darlehenszusage werden höhere Zinssätze oder andere zusätzliche Kosten der Risikoabdeckung berechnet (Risiko und geringe Attraktivität der Kleinkunden).
Quelle: EU-Parlament Epades-Report a4-0318 Epades-Report a4-0104
Risikokapital und Förderprogramme
Den Kleinunternehmen fehlt der Zugang zum Risikokapital und zu den Förderprogrammen (Inkohärenz der politischen Instrumente, fehlende Information).
Kommunikation mit Kreditgebern
Die objektiv schlechteren Zugangsvoraussetzungen zum Kapitalmarkt werden vom Unternehmen durch mangelhafte Vorbereitung der Kreditanfrage noch verschlechtert.
Kosten- und Größenstrukturen
Verdrängungswettbewerb
In vielen Branchen herrscht ein unerbittlicher Preiskampf, in dem kleine Unternehmen nicht mitziehen können. Kleinere Unternehmen werden in ihren bisher angestammten Tätigkeitsfeldern zunehmend durch größere Anbieter verdrängt (Verlangen nach Komplettlösungen).
Fixkosten
Beim Wareneinsatz muss das Kleinunternehmen fast immer mit höheren Preisen als größere Unternehmen rechnen. Inadäquate Fixkosten im Vergleich zum Rohertrag können den hart erkämpften Ertrag definitiv aufzehren.
Finanzielle Anfälligkeit
Der schwierige Zugang zu Fremdkapital führt zur kompletten Ausschöpfung eigener finanziellen Ressourcen. Externe Schocks und Marktfluktuationen können nicht aufgefangen werden.
Organisation
Wachstum
Die Umstellung von einem kleinen, überschaubaren Betrieb zu einem größeren Unternehmen stellt in allen Fällen eine große Herausforderung dar. Nicht allen Unternehmen gelingt der Sprung zu einer angemessenen Organisationsstruktur.
Personal
Viele Existenzgründer und Kleinunternehmen klagen über Personalprobleme: zu große Fluktuation, mangelnde Qualifikation, fehlende Motivation. Die Frage der Personalkosten und Lohnnebenkosten soll hier nur erwähnt werden.
Managementinformation
Die zur Analyse notwendigen betriebswirtschaftlichen Daten stehen in vielen Kleinbetrieben nicht zur Verfügung. Vorhandene Zahlen sind oft nicht aktuell, unvollständig oder untereinander nicht kompatibel. Dieses führt zu Fehlentscheidungen.
Unternehmensführung
Kaufmännische Qualifikation
Techniker, Künstler, Handwerker... kalkulieren oft nur grob und gewähren blindlings Zahlungsziele. Sie vernachlässigen die Erstellung und Analyse ihrer aktuellen Betriebsergebnisse. Auch die meistens sehr spät erstellten Steuererklärungen wissen sie nicht zu deuten.
Unternehmensstrategie
Wegen der hohen Arbeitsbelastung, der vielen Alltagsprobleme etc. ist keine Unternehmensstrategie erkennbar. Dieses führt zur Verzettelung und hat auch Auswirkungen auf die Mitarbeitermotivation.
Kooperationsbereitschaft, Offenheit
Das Unternehmen verschließt sich im Vorfeld gegenüber externen Beratern und vermeidet jegliche Kooperation mit anderen Unternehmen. Gut ausgebildete, wachstumorientierte Unternehmer bilden hier im allgemeinen eine Ausnahme.
Psychologische Faktoren
Nicht jedes Unternehmen ist lebensfähig. Diese Feststellung und die logische Konsequenz daraus, ein Unternehmen rechtzeitig zu schließen, fällt vielen Kleinunternehmern schwer. In anderen Fällen scheitert der Unternehmer an der mangelnden Bereitschaft seiner Familie, die Strapazen und Belastungen eines Unternehmens weiter mitzutragen.



