Zahlungsverzögerungen
Was unpünktliche Zahlungseingänge kosten...
Zahlungsverzögerungen gefährden besonders Kleinunternehmen, da sie über geringe alternative Finanzierungsmöglichkeiten verfügen.
Wenn ein Großkunde über Wochen nicht zahlt oder zu viele Kleinkunden die Rechnungen nicht pünktlich begleichen, kann sich die Situation in einem Kleinunternehmen dramatisch zuspitzen und das Unternehmen bis in den Konkurs führen.
Auf diese Gefahren werden wir hier jedoch nicht weiter eingehen, sondern uns mit der Mehrzahl der Fälle beschäftigen: die "schleichende" - vom Unternehmer oft nicht genügend wahrgenommene - Ausdehnung der Zahlungsziele.
Lieferant = Banker
Durchschnittswerte zeigen, dass bei einem Zahlungsziel von 25 Tagen der Zahlungseingang erst nach 45 Tagen stattfindet. Im einzelnen kann die Verzögerung noch viel länger dauern.
Nicht allen Unternehmen ist voll bewusst, dass der säumige Zahler seinen Lieferanten als Finanzierungsinstitut benutzt und durch das verlängerte Zahlungsziel eine Finanzdienstleistung erhält - bzw. erzwingt- , für die er seine Bank widerstandslos zahlen würde.
Beispiel:
Der Kunde "Otto Lahm" zahlt dem Dienstleister "Achim Nett" eine Rechnung in Höhe von 10.000 € nach 75 Tagen. 15 Tage waren vereinbart.
Hätte Otto Lahm die Rechnung pünktlich gezahlt und dafür sein Kontokorrent in Anspruch genommen (hier: Zinssatz 10%), hätte die Bank von Otto Lahm ihm für diesen Zeitraum Zinsen in Rechnung gestellt: 10.000 x 10% x 60/360= 167 €
Lieferant = Zahler
Die primäre Lieferung/Leistung steht bei dem Kreditgeber so sehr im Vordergrund, dass er sogar die Kosten der zusätzlich erbrachten Leistung einfach ignoriert.
Beispiel:
Für unseren Unternehmer Achim Nett sieht die Situation anders aus. Während der Zeit in der er Otto Lahm ein zinsloses Darlehn gewährt, laufen für ihn die Kosten weiter: Personal, Miete, Lieferanten ... Alle müssen bezahlt werden. Achim Nett muss sich 60 Tage lang bei seiner Bank refinanzieren (hier: 10%), womöglich wird er dabei auch noch den Kontokorrentrahmen überziehen (hier: +5%).
Die verzögerte Zahlung von Otto Lahm kostet Achim Nett allein 250 € Zinsen (10.000 € x 15% x 60/360).
Der zusätzliche Aufwand für die Mahnungen (Personal, Schreiben, Telefonate etc.) kostet ihm - grob überschlagen - noch einmal ca. 200 €.
Tipp(s)
Man trifft noch oft Unternehmen, die ihre "Bankposition" stillschweigend hinnehmen und das Mahnwesen sehr vernachlässigen: Mahngebühren werden nur "pro forma" angegeben, es werden keine Verzugszinsen berechnet.
Als absatzpolitische Maßnahme ist Kulanz im Mahnwesen wenig geeignet und erhöht das Risiko, schlechte Zahler als Kunden anzuziehen. Begrüßenswerter sind dagegen Konditionen, die eine schnellere Zahlung herbeiführen.
Im Rahmen einer fairen Geschäftsbeziehung darf der Lieferant/Dienstleister die Zahlung seiner Forderung erwarten. Die Berechnung von Mahngebühren und Verzugszinsen ist keineswegs unverschämt, sondern fair und legitim. Allerdings müssen Sie Ihre Kunden in der Regel vorher "in Verzug" setzen.
Hinweis
Nach § 284 BGB gerät der Schuldner einer Geldforderung auch ohne Mahnung in Verzug, wenn er nach Ablauf von 30 Tagen die Rechnung nicht gezahlt hat. Unter Kaufleuten kann eine kürzere Zahlungsfrist vereinbart werden.



